Einen vollständigen Webbrowser direkt auf dem NAS betreiben – isoliert, sicher, von jedem Gerät im Heimnetz erreichbar? Das klingt nach Science-Fiction, ist aber mit Docker und einem kleinen Ubuntu-Container in wenigen Minuten Realität. Keine lokale Installation, keine Lizenzkosten, volle Kontrolle über deine Daten.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Chrome und Firefox mit Docker auf deinem Synology oder Ugreen NAS zum Laufen bringst – über einen vollständigen LXDE-Desktop, den du einfach im Browser öffnest. Firefox und Chromium sind dabei bereits im Docker-Image vorinstalliert – du musst nichts weiter einrichten.

Was ist LXDE – und warum läuft der Browser darin?
Das Docker-Image dorowu/ubuntu-desktop-lxde-vnc startet einen vollständigen Ubuntu-Desktop mit der extrem schlanken LXDE-Oberfläche – inklusive Firefox und Chromium, die direkt einsatzbereit sind. Der Desktop wird per noVNC direkt im Browser gestreamt – du brauchst keinen VNC-Client, kein Zusatzprogramm. Einfach IP und Port im Browser aufrufen, Passwort eingeben, fertiger Desktop.
Mögliche Einsatzszenarien:
- Isoliertes Surfen, ohne den lokalen Rechner zu belasten
- Webseitentest in einer sauberen Browser-Umgebung
- Browser-Instanz für Geräte ohne eigene Installation (Smart-TV, Tablet, altes Notebook)
- Automatisiertes Web-Scraping oder Login-Sessions dauerhaft offen halten
Voraussetzungen
- Synology NAS mit DSM 7.x oder Ugreen NAS mit aktuellem UGOS
- Container Manager (Synology) bzw. Docker-App (Ugreen) installiert
- Internetzugang vom NAS (für den Image-Download, ca. 1,5 GB)
- Mindestens 2 GB freien RAM für den laufenden Container
Schritt 1: Ordner in der File Station anlegen
Bevor der Container gestartet wird, legen wir die Verzeichnisse manuell an. Das ist wichtig – erstellt Docker die Ordner selbst, gehören sie Root und spätere Schreibprobleme sind vorprogrammiert.
Öffne die File Station im DSM-Hauptmenü. Navigiere zu volume1 und öffne (oder erstelle) den Ordner docker. Lege darin folgende Struktur an:
/volume1/docker/lxde/
/volume1/docker/lxde/home
/volume1/docker/lxde/downloads
/volume1/docker/lxde/sharedJeden Ordner erstellst du per Rechtsklick → Ordner erstellen. Zuerst lxde, dann hineinklicken und die drei Unterordner anlegen.
[Screenshot: File Station – Ordnerstruktur /volume1/docker/lxde/]
Schritt 2: Container Manager öffnen und Projekt anlegen
Öffne den Container Manager aus dem DSM-Hauptmenü. Klicke in der linken Seitenleiste auf Projekt und dann oben rechts auf Erstellen.
Im Assistenten trägst du folgendes ein:
- Projektname:
lxde(Kleinbuchstaben, kein Leerzeichen) - Pfad: Klick auf das Ordner-Symbol und wähle
/volume1/docker/lxde - Quelle: compose.yml erstellen auswählen
[Screenshot: Container Manager → Projekt erstellen – Namenseingabe und Pfadauswahl]
Hinweis: Der Pfad muss exakt auf den Ordner zeigen, den du in Schritt 1 angelegt hast. Stimmt der Pfad nicht, werden die Volumes nicht korrekt eingebunden.
Schritt 3: Docker Compose einfügen und Passwörter anpassen
Im nächsten Schritt siehst du ein leeres Textfeld für die compose.yml. Lösche den Beispielinhalt und füge den folgenden Code ein:
services:
lxde:
image: dorowu/ubuntu-desktop-lxde-vnc:latest
container_name: lxde
restart: unless-stopped
ports:
- "3410:80"
- "3411:5900"
environment:
USER: lxde # wenn du magst ändern
PASSWORD: DEIN_PASSWORT #ändern
HTTP_PASSWORD: DEIN_PASSWORT #ändern
VNC_PASSWORD: DEIN_VNC_PASSWORT #ändern
RESOLUTION: 1920x1080
TZ: Europe/Berlin
volumes:
- /volume1/docker/lxde/home:/home/lxde
- /volume1/docker/lxde/downloads:/home/lxde/Downloads
- /volume1/docker/lxde/shared:/shared
shm_size: "1gb"Ersetze jetzt die Platzhalter:
DEIN_PASSWORTbeiPASSWORDundHTTP_PASSWORD→ Passwort für den Web-LoginDEIN_VNC_PASSWORTbeiVNC_PASSWORD→ Passwort für VNC-Clients (z. B. RealVNC)
Wichtig: Setze immer ein starkes Passwort – auch im Heimnetz. Den Standardwert niemals unverändert lassen.
Was bedeuten die Einstellungen im Detail?
3410:80– Der Desktop ist über Port 3410 im Browser erreichbar3411:5900– VNC-Zugriff für externe Clients über Port 3411RESOLUTION– Auflösung des virtuellen Desktops (1920×1080 empfohlen)TZ: Europe/Berlin– Zeitzone des Containersshm_size: 1gb– Geteilter Arbeitsspeicher, notwendig für stabile Browser-Nutzungvolumes– Dateien, Downloads und Einstellungen bleiben nach Container-Neustart erhalten
[Screenshot: Container Manager – compose.yml eingefügt, Passwörter angepasst]
Klicke auf Weiter und dann auf Fertig. Der Container Manager lädt nun das Image herunter – das dauert je nach Internetverbindung 2–5 Minuten.
Schritt 4: Desktop im Browser öffnen und loslegen
Sobald der Status Wird ausgeführt anzeigt, öffne einen Browser auf deinem Computer und rufe folgende Adresse auf:
http://[IP-DEINES-NAS]:3410Beispiel: http://192.168.1.100:3410
Du wirst nach dem Passwort gefragt – gib das ein, das du bei HTTP_PASSWORD gesetzt hast. Danach siehst du den vollständigen LXDE-Ubuntu-Desktop direkt im Browserfenster. Firefox und Chromium findest du sofort im Anwendungsmenü – einfach anklicken und lossurfen.
Tipp: Die IP-Adresse deines NAS findest du in DSM unter Systemsteuerung → Netzwerk → Netzwerkschnittstelle.
[Screenshot: LXDE-Desktop im Browser – Firefox und Chromium direkt einsatzbereit]
Ugreen NAS – was ist anders?
Auf einem Ugreen NAS (UGOS) läuft das Setup grundsätzlich identisch. Der einzige Unterschied: Das interne Nginx des Ugreen-Systems belegt bereits Port 80 und 443. Da wir in der Compose-Datei aber Port 3410 und 3411 verwenden, gibt es hier in der Regel keinen Konflikt.
Öffne auf dem Ugreen NAS die Docker-App, wähle dort Compose oder Projekte und lege einen neuen Ordner unter /volume1/docker/lxde/ über den integrierten Dateimanager an. Die Compose-Datei wird identisch eingefügt – alles weitere läuft genauso wie auf Synology.
Häufige Fragen
Bleiben Downloads und Browser-Einstellungen nach einem Neustart erhalten?
Ja. Durch die Volume-Einbindungen unter /home/lxde und /home/lxde/Downloads bleiben alle Daten dauerhaft gespeichert – unabhängig vom Container-Status.
Kann ich YouTube und Streaming-Dienste im Container-Browser nutzen?
Grundsätzlich ja. Die Performance hängt von der NAS-Hardware und der Netzwerkgeschwindigkeit ab. Für flüssiges HD-Video empfiehlt sich ein aktuelles Modell wie die Synology DS923+ oder Ugreen DXP4800.
Ist das Setup sicher?
Solange die Ports nicht im Router nach außen freigegeben sind, ist der Zugriff auf das lokale Heimnetz beschränkt. Setze trotzdem immer ein starkes Passwort.
Wie viel RAM braucht der Container?
Der reine Desktop benötigt ca. 512 MB. Mit einem laufenden Browser sollten mindestens 2 GB für den Container eingeplant werden. Der Parameter shm_size: 1gb in der Compose-Datei ist dafür entscheidend.
Warum LXDE und kein anderer Desktop?
LXDE ist extrem ressourcenschonend und ideal für NAS-Hardware. Ein vollständiges GNOME oder KDE würde deutlich mehr RAM und CPU beanspruchen – bei kaum merklichem Mehrwert im Browser-Desktop.
Fazit
Mit dem LXDE-Docker-Container läuft in wenigen Schritten ein vollständiger Linux-Desktop mit Firefox und Chromium auf dem NAS – erreichbar von jedem Gerät im Heimnetz, ohne lokale Installation, ohne Konfigurationsaufwand. Compose einfügen, Passwörter setzen, starten – fertig.
Fragen oder Probleme? Schreib sie gerne in die Kommentare.
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